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Sonntag, 5. Mai 2024

„Über Glaubenswahrheiten abzustimmen ist lächerlich“

 

"Hier ist ein Wort über den sogenannten „Glaubenssinn“ der Gesamtkirche (sensus fidelium) und seine „Unfehlbarkeit“ fällig, einer sehr problematischen Größe, weil er auf keinen Fall in einem demokratisch-numerischen Sinn solche Unfehlbarkeit beanspruchen kann, sondern nur in einem qualitativ-pneumatischen Sinn, der um so leichter in Vergessenheit gerät, je mehr die Menge der Gläubigen mechanisch, durch Massenmedien und mechanische Statistiken manipulierbar wird. Über Glaubenswahrheiten abzustimmen ist lächerlich.

In einer Kirche, die wesentlich „kleine Herde“ ist, hat nicht die Mehrheit recht, sie hat es nie gehabt und hat es heute weniger als je.

Recht haben jene Gläubigen, deren Glaubenssinn tief, lebendig, umfassend, nah bei den Quellen ist, jene, die beten und sich einsetzen, die das innere Ohr zum Geist hin offen haben. Es sind vielleicht wenige, und vielleicht ganz andere, als man annimmt. Es sind sicher nicht die, die demagogisch die Menge der Gläubigen auffordern, sich aufgrund ihres Glaubenssinnes gegen das Dienstamt zu stellen. Der Glaubenssinn ist eben wirklich Glaubenssinn, und nicht irgendein ‚Instinkt‘ für Dinge, die in der Luft liegen und nach allgemeiner Ansicht jetzt geschehen müßten…"

Hans Urs von Balthasar, Klarstellungen, Herder 1972, (S. 91)

 

 Zitat gefunden bei "Neuer Anfang"

Samstag, 8. Februar 2020

Der SENSUS FIDEI, das "Bauchgefühl" des rechtgläubigen Christen

Im Gegensatz zur Theologie, die als „Scientia fidei“ beschrieben werden kann, ist der "Sensus fidei fidelis" kein reflektierendes Erkennen der Glaubensgeheimnisse, das Begriffe entwickelt und vernünftige Methoden anwendet, um seine Schlüsse zu ziehen. Wie der Name ("Sensus") anzeigt, ist er eher einer natürlichen, unmittelbaren und spontanen Reaktion ähnlich und einem vitalen Instinkt oder einer Art "Gespür" vergleichbar, durch das der Gläubige intuitiv an dem festhält, was mit der Glaubenswahrheit übereinstimmt, und meidet, was ihr entgegensteht. *

Der „Sensus fidei fidelis“ ist in sich unfehlbar im Hinblick auf sein Objekt: den wahren Glauben**.  Im aktuellen geistigen Universum des Gläubigen jedoch können die richtigen Intuitionen des „Sensus fidei“ mit den verschiedenen rein menschlichen Meinungen oder sogar mit Irrtümern, die mit den engen Grenzen eines bestimmten kulturellen Kontextes verbunden sind, vermischt werden***. „Wenn sich daher der theologale Glaube als solcher nicht irren kann, so kann doch der Gläubige irrige Meinungen haben, weil nicht alle seine Gedanken vom Glauben herkommen. Die im Volk Gottes umlaufenden Ideen stimmen nicht alle mit dem Glauben überein****.“ 


* Vgl. J. A. Möhler, Symbolik, § 38: „Der göttliche Geist, welchem die Leitung und Belebung der Kirche anvertraut ist, wird in seiner Vereinigung mit dem menschlichen ein eigenthümlich christlicher Tact, ein tiefes, sicher führendes Gefühl, das, wie er in der Wahrheit steht, auch aller Wahrheit entgegenleitet.“
 
** Aufgrund der unmittelbaren Beziehung zu seinem Objekt irrt der Instinkt nicht. In sich selbst ist er unfehlbar. Tierischer Instinkt ist jedoch nur innerhalb des Kontextes einer bestimmten Umgebung unfehlbar. Wenn sich der Kontext ändert, kann sich der tierische Instinkt als schlecht angepasst erweisen. Geistlicher Instinkt auf der anderen Seite hat mehr Spielraum und Feinsinnigkeit.
*** Vgl. Thomas von Aquin, Summa theologiae, IIa–IIae, q.1, a.3, ad 3.
**** Donum Veritatis, 35


Der Sensus fidei im Leben der Kirche, Internationale Theologische Kommission 2014, Nr. 54 und 55


In den fünf Jahren von 2009–2014 hat die Internationale Theologische Kommission das Wesen des „Sensus fidei“ und seinen Ort im Leben der Kirche untersucht. Die Arbeit wurde in einer Unterkommission unter Vorsitz von Msgr. Paul McPartlan durchgeführt, die sich aus folgenden Mitgliedern zusammensetzte: Serge Thomas Bonino, O.P. (Secretary General); Sara Butler, M.S.B.T.; Antonio Castellano, S.D.B.; Adelbert Denaux; Msgr. Tomislav Ivanĉíc; Bischof Jan Liesen; Leonard Santedi Kinkupu, Thomas Söding und Msgr. Jerzy Szymik. Die allgemeinen Diskussionen über das Thema wurden in zahlreichen Sitzungen der Unterkommission und während der Vollversammlungen der Internationalen Theologischen Kommission geführt, die zwischen 2011 und 2014 in Rom stattgefunden haben. Der Text „Der ,Sensus fidei‘ im Leben der Kirche“ wurde „in forma specifica“ von der Mehrheit der Kommissionsmitglieder durch ein schriftliches Votum gebilligt und dann ihrem Präsidenten Kardinal Gerhard L. Müller, dem Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, vorgelegt, der die Publikation autorisiert hat. (Vorbemerkung des oben genannten Dokumentes über den sensus fidei)

Dienstag, 25. August 2015

Der SENSUS FIDEI und die vom kirchlichen Glauben abweichenden Meinungen der Gläubigen

 
Der Dissens (Anm.: d. h. der Zustand der Uneinigkeit von kirchlichem Lehramt und der Meinung des Gläubigen) zieht ferner zuweilen eine soziologische Argumentation heran, nach der die Meinung einer großen Zahl von Christen direkter und angemessener Ausdruck des „übernatürlichen Glaubenssinns“ wäre.

Tatsächlich können die Meinungen der Gläubigen nicht schlicht und einfach mit dem „sensus fidei“ gleichgesetzt werden.[31]

[Der] „sensus fidei“ [schließt] seiner Natur nach die tiefe Übereinstimmung von Geist und Herz mit der Kirche, das „sentire cum Ecclesia“, ein.





Das heißt:

Der SENSUS FIDEI erschließt sich nur dem gläubigen Katholiken, der die gesamte Lehre der Kirche bejaht - selbst wenn er sie nicht in allen Einzelheiten kennt - und der nach bestem Wissen und Gewissen nach dieser Lehre, die er als wahr erkannt hat, lebt.

Christen, die in "Wirklichkeiten" leben, die dem Willen Gottes und den Weisungen der Kirche nicht entsprechen (z. B. Menschen, die eine Glaubenswahrheit bestreiten; oder sich vom Glauben entfernt haben; denen der Glaube gleichgültig ist; auch wiederverheiratete Geschiedene), können ihre "Lebenswirklichkeiten", die im Grunde Lebenslügen sind, nicht mit einem SENSUS FIDEI, einem übernatürlichen Glaubenssinn, der ihnen eigen wäre, rechtfertigen. Man erkennt schnell, wie absurd eine solche Rechtfertigung ist.

Kongregation für die Glaubenslehre
"Donum veritatis" bei stjosef.at

Sonntag, 23. August 2015

Der SENSUS FIDEI, das kirchliche Lehramt und andere Ideen

Wenn sich (...) der theologale Glaube als solcher nicht irren kann, so kann doch der Gläubige irrige Meinungen haben, weil nicht alle seine Gedanken vom Glauben herkommen.[1]
Die im Volk Gottes umlaufenden Ideen stimmen nicht alle mit dem Glauben überein, zumal sie leicht von einer öffentlichen Meinung beeinflußt werden können, die durch die modernen Kommunikationsmedien gesteuert wird.

Nicht ohne Grund betont das II. Vatikanische Konzil die unauflösliche Beziehung zwischen dem „sensus fidei“ und der Anleitung des Volkes Gottes durch das Lehramt der Hirten: Beide Wirklichkeiten lassen sich nicht voneinander trennen.[2]
Die Äußerungen des Lehramtes wollen die Einheit der Kirche in der Wahrheit des Herrn sicherstellen. Sie helfen zum „Bleiben in der Wahrheit“ angesichts des Willkürcharakters von wandelbaren Meinungen und sind Ausdruck des Gehorsams gegenüber dem Wort Gottes.[3]

 
[1] Vgl. die Formel des Konzils von Trient, VI. Sitzung, Kap. 9: fides „cui non potest subesse falsum“: DS 1534; vgl. Hl. Thomas von Aquin, Summa Theologiae, II-II, q.1, a.3: „Possibile est enim hominem fidelem ex coniectura humana falsum aliquid aestimare. Sed quod ex fide falsum aestimet, hoc est impossibile“.
[2] Dogm. Konst. Lumen gentium 12.
[3] Dogm. Konst. Dei Verbum 10.


Kongregation für die Glaubenslehre: Instruktion "Donum veritatis" über die kirchliche Berufung des Theologen Nr. 35 (24.05.1990)


Das heißt:

Vom kirchlichen Glauben abweichende, irrige Meinungen des Gläubigen oder bestimmte Ideen oder "Lebenswirklichkeiten", die von einigen Gläubigen entgegen den Weisungen der Kirche gelebt werden, können nicht als Ausdruck des SENSUS FIDEI gelten. Sie sind im Gegenteil Ausdruck eines Mangels an übernatürlichem Glaubenssinn.


Kongregation für die Glaubenslehre
"Donum veritatis" bei stjosef.at